Überarbeitet am 08.10.2026: Stand Catena-X (Netzwerk, Förderprogramm, Batteriepass) ergänzt, Bezug zu VDA ISA 2027 neu. Am 12.10.2026 die Angaben zum Förderprogramm und zum Datenraum China–Europa an die Quellen angeglichen.
In deinem Posteingang liegt ein Schreiben deines Abnehmers: Er möchte Daten künftig über Catena-X austauschen. Was heißt das für einen mittelständischen Zulieferer – und wie fängst du an, ohne gleich ein Großprojekt zu starten? Dieser Artikel ordnet ein, was Catena-X ist, was Abnehmer erwarten und wie es mit TISAX® zusammenhängt.
Was ist Catena-X – in zwei Sätzen?
Catena-X ist ein Datennetzwerk der Automobilindustrie, in dem Unternehmen Daten nach gemeinsamen Standards austauschen. Jedes Unternehmen behält dabei die Kontrolle und entscheidet selbst, wer welche Daten sehen darf.
Getragen wird Catena-X vom Catena-X Automotive Network, einem Verein aus Herstellern, Zulieferern, Software- und Dienstleistungsanbietern. Nach eigenen Angaben ist das Netzwerk im Herbst 2026 auf über 1.000 Firmen gewachsen.
Technisch läuft der Austausch über sogenannte Connectoren. Das ist Software, die Daten nur nach vereinbarten Regeln an einen bestimmten Partner weitergibt. Es gibt also keine zentrale Datenbank, in die alle ihre Daten kippen. Stattdessen bleiben die Daten bei dir, und du gibst sie gezielt frei.
Was verlangen Abnehmer von Zulieferern?
Meist geht es um bestimmte Daten zu deinen Teilen: den CO₂-Fußabdruck, Angaben zur Rückverfolgung, Qualitätsdaten oder Daten für digitale Produktpässe. Dein Abnehmer will sie in einem einheitlichen Format bekommen statt per Excel-Liste.
Diese Anwendungsfälle begegnen Zulieferern am häufigsten:
- CO₂-Fußabdruck (PCF): Emissionen je Bauteil, berechnet nach einem gemeinsamen Standard.
- Rückverfolgung: welches Teil aus welcher Charge in welchem Fahrzeug steckt.
- Qualität: Fehler früher erkennen, weil Daten aus dem Feld schneller zurückfließen.
- Digitaler Produktpass: etwa der Batteriepass für Batterien von Elektrofahrzeugen.
- Bedarfs- und Kapazitätsplanung: Engpässe in der Lieferkette früher sehen.
Eine gesetzliche Pflicht, Catena-X zu nutzen, gibt es nicht. Manche Daten verlangt aber das Gesetz. So brauchen Batterien für Elektrofahrzeuge, die in der EU in Verkehr gebracht werden, nach der EU-Batterieverordnung ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass. Catena-X ist ein Weg, die Daten dafür entlang der Lieferkette zusammenzutragen.
Wie hängen Catena-X und TISAX® zusammen?
Es sind zwei verschiedene Dinge. Catena-X regelt, wie du Daten austauschst. TISAX® weist nach, wie sicher du mit vertraulichen Informationen umgehst. Dein Abnehmer kann beides unabhängig voneinander verlangen.
In der Praxis berühren sich beide Themen aber an vielen Stellen. Sobald du Daten über einen Connector freigibst, stellen sich typische Fragen der Informationssicherheit:
- Wer in deinem Betrieb darf entscheiden, welche Daten an wen gehen?
- Wer verwaltet die Zugangsdaten und Zertifikate des Connectors?
- Wer betreibt den Connector – du selbst oder ein Dienstleister?
- Wie merkst du, wenn Daten an den falschen Partner gehen?
Genau diese Fragen kennt ein Managementsystem für Informationssicherheit, wie es TISAX® verlangt: Zuständigkeiten, Zugriffsrechte, Dienstleistersteuerung und der Umgang mit Vorfällen. Hinzu kommt der neue Fragenkatalog VDA ISA 2027. Er verlangt bei hohem Schutzbedarf mehr Nachweise darüber, wie du deine eigenen Lieferanten prüfst und überwachst – also auch den Dienstleister, der deinen Connector betreibt.
Wer also ohnehin an TISAX® arbeitet, sollte Catena-X gleich mitdenken. Und wer zuerst bei Catena-X startet, legt mit sauberen Zuständigkeiten schon einen Teil des Fundaments für TISAX®.
Wie startest du als kleiner Zulieferer?
Klein und konkret: Kläre zuerst, welche Daten dein Abnehmer bis wann braucht. Dann suchst du die Daten in deinen Systemen und wählst einen Weg der Anbindung, der zu deiner Größe passt.
- Anforderung schriftlich klären: Welcher Anwendungsfall, welche Daten, welches Format, bis wann? Frag nach, ob dein Abnehmer einen bestimmten Weg der Anbindung empfiehlt.
- Daten finden: Wo liegen die Angaben heute – im ERP, in der Fertigung, in der Qualitätssicherung, in Tabellen? Hier entsteht erfahrungsgemäß der größte Aufwand.
- Weg der Anbindung wählen: Für kleinere Zulieferer sind fertige Anwendungen oder Dienstleister mit Connector meist einfacher als ein eigener Betrieb. Catena-X lässt solche Lösungen von unabhängigen Stellen zertifizieren.
- Zuständigkeiten festlegen: Wer gibt welche Daten frei? Wer ist Ansprechpartner für den Abnehmer und für den Dienstleister?
- Förderung prüfen: Für mittelständische Unternehmen der Automobilbranche gibt es 2026 ein Förderprogramm (siehe unten).
Den Einstieg ins Netzwerk organisiert Cofinity-X, die Betreibergesellschaft. Auf der Website von Catena-X findest du dazu eine Anleitung und einen Überblick über Anwendungsfälle. Die Grundlagenschulung („Catena-X Basic Training“) in der Catena-X Academy steht ohne Gebühr offen und eignet sich gut, um im eigenen Team ein gemeinsames Bild zu bekommen.
Was hat sich seit Februar 2026 geändert?
Das Netzwerk ist deutlich gewachsen, es gibt ein Förderprogramm für den Mittelstand, und der Batteriepass rückt näher. Aus dem Innovationsprojekt wird zunehmend Alltag in der Lieferkette.
- Wachstum: Im September 2026 meldete Catena-X, dass das Netzwerk sich mehr als verfünffacht habe – auf über 1.000 Firmen.
- Förderung: Im Juni 2026 startete der „Data Space Accelerator“, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und durchgeführt von der International Data Spaces Association mit Catena-X und Cofinity-X. Er zahlt mittelständischen Unternehmen der Automobilbranche erfolgsabhängig bis zu 15.000 Euro für die produktive Anbindung mit Zertifikatsverwaltung und bis zu weitere 15.000 Euro für einen zweiten Anwendungsfall. Antrag und Umsetzung müssen noch 2026 erfolgen.
- Batteriepass: Catena-X bereitet mit einem Branchentest den Datenaustausch für den EU-Batteriepass vor, der ab dem 18. Februar 2027 gilt.
- China und Europa: Im Juli 2026 kündigten Catena-X, der chinesische Automobilverband CAAM und VDA China einen grenzüberschreitenden Datenraum zwischen China und Europa an. Der Start ist für Mitte November 2026 geplant.
Für dich zählt vor allem der zweite Punkt: Wenn dein Abnehmer ohnehin Daten über Catena-X verlangt, kann die Förderung einen Teil deines Aufwands auffangen. Prüfe die Bedingungen direkt auf der Website des Programms, bevor du planst.
Wie läuft ein Catena-X-Projekt typischerweise ab?
In sechs Phasen: Einordnung, Anwendungsfall festlegen, Connector bereitstellen, Systeme anbinden, Onboarding beim Abnehmer und laufender Betrieb. Je nach Ausgangslage dauert das einige Monate.
- Einordnung: Was verlangt dein Abnehmer, was davon betrifft dich wirklich?
- Anwendungsfall festlegen: zum Beispiel CO₂-Fußabdruck oder Rückverfolgung.
- Connector bereitstellen: selbst, in der Cloud oder über einen Dienstleister.
- Systeme anbinden: ERP, Fertigung, Qualitätssicherung – hier liegt der meiste Aufwand.
- Onboarding beim Abnehmer: Testaustausch, dann produktiver Austausch.
- Betrieb: Daten pflegen, Freigaben prüfen, Zugänge verwalten.
Unterschätzt wird fast immer Phase 4. Die Technik ist schnell eingerichtet; die Frage, wo die richtigen Daten in guter Qualität liegen, dauert länger. Plane dafür Leute aus Fertigung und Qualitätssicherung ein, nicht nur die IT.
Klingt nach deinem Betrieb?
Dein Abnehmer verlangt neben Daten auch Nachweise zur Informationssicherheit? Auf der Seite zur TISAX®-Beratung bekommst du in fünf Fragen deine Preistendenz und siehst, was die Begleitung bis zum Assessment umfasst.
TISAX®-Beratung: Preistendenz und Begleitung
Wenn du zuerst wissen willst, wo du stehst: Dort findest du auch den TISAX®-Readiness-Check, in dem ihr den Fragenkatalog VDA ISA gemeinsam ausfüllt, und die Preistendenz in 5 Fragen.
Häufige Fragen
Muss ich Catena-X beitreten?
Eine gesetzliche Pflicht, Catena-X zu nutzen, gibt es nicht. Verlangt dein Abnehmer aber Daten über Catena-X, wird es zur Lieferbedingung. Kläre deshalb zuerst, welche Daten er bis wann braucht.
Brauche ich einen eigenen Connector?
Nicht unbedingt. Viele kleinere Zulieferer nutzen einen Dienstleister oder eine fertige Anwendung, die den Connector mitbringt. Ein eigener Betrieb lohnt sich eher, wenn du viele Daten mit vielen Partnern austauschst.
Ersetzt Catena-X mein TISAX®-Label?
Nein. Catena-X regelt, wie Daten ausgetauscht werden. TISAX® weist nach, wie sicher du mit vertraulichen Informationen umgehst. Beides kann dein Kunde unabhängig voneinander verlangen.
Was kostet der Einstieg?
Das hängt vom Anwendungsfall, vom gewählten Dienstleister und von deinen Daten ab. Die Preise für Onboarding und Anwendungen nennen die Anbieter selbst. Prüfe vorher, ob der Data Space Accelerator für dich in Frage kommt.
Quellen
- Catena-X Automotive Network
- Catena-X network grows by more than a factor of five to over 1000 companies
- €23 million Data Space Accelerator launched to fast-track SME integration
- Invitation to Participate in the Battery Passport Scenario
- Certification
- Onboarding & Marketplace
- Catena-X Academy – Catena-X Basic Training („Free“)
- Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien
- 10 Jahre TISAX® – VDA ISA2027 veröffentlicht
Geschrieben von
Martin Solarczek
Geschäftsführer der GEFIM · Zuständig für: Informationssicherheit und Handwerk
Nachweis: Catena-X Consultant Qualification Basic Training (Attestation of Qualification, Catena-X Automotive Network e. V., gültig bis )
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Stand der Rechtsinformationen: .
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